Wien, 14.04.2026 –Im 1. Quartal 2026 wurden in Österreich insgesamt 2.160 Privatkonkurse verzeichnet. Damit ist die Zahl der Privatinsolvenzen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,6 Prozent leicht zurückgegangen. Trotz dieses moderaten Rückgangs zeigt sich, dass die finanzielle Situation vieler privater Haushalte weiterhin angespannt bleibt. So lauten die zentralen Ergebnisse der aktuellen Analyse des Informationsdienstleisters CRIF.
Belastung für Haushalte bleibt hoch – weitere Zunahme im Jahresverlauf erwartet
„Die aktuellen Zahlen dürfen nicht als nachhaltige Entspannung interpretiert werden. Vielmehr sehen wir, dass zahlreiche Haushalte weiterhin unter erheblichem finanziellem Druck stehen. Auch wenn die Inflation zuletzt etwas nachgelassen hat, wirken die hohen Preise – insbesondere für Energie und Lebensmittel – nach wie vor stark belastend“, erklärt Anca Eisner-Schwarz, Geschäftsführerin von CRIF Österreich. Viele Menschen sehen sich gezwungen, ihre finanziellen Reserven aufzubrauchen, um laufende Kosten wie Miete, Kredite oder alltägliche Ausgaben decken zu können. Gleichzeitig bleibt das Einkommenswachstum in vielen Bereichen begrenzt. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet CRIF daher mit einem Anstieg auf bis zu 9.000 Privatkonkurse, nach 8.761 Fällen im Jahr 2025. Zudem ist zu erwarten, dass sich die wirtschaftlichen Unsicherheiten erst zeitverzögert in den Insolvenzstatistiken niederschlagen werden.
Höchste Werte in Wien – deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern
Ein Blick auf die regionale Verteilung der Privatkonkurse zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Erwartungsgemäß weist Wien mit 798 Privatkonkursen im 1. Quartal 2026 den mit Abstand höchsten Wert auf. Dahinter folgen Oberösterreich mit 325 Fällen sowie Niederösterreich mit 290 Insolvenzen. Diese Bundesländer zählen zu den bevölkerungsreichsten Regionen Österreichs, was sich auch in den absoluten Fallzahlen widerspiegelt. Im Mittelfeld liegen die Steiermark mit 215 Fällen, Tirol mit 154 sowie Kärnten mit 138 und Vorarlberg mit 132 Privatkonkursen. Vergleichsweise niedrige Fallzahlen zeigen sich in Salzburg (81 Fälle) und dem Burgenland mit 27 Privatkonkursen. (Österreich-Schnitt: 240). Die Entwicklung verlief regional unterschiedlich: Der stärkste Rückgang an Privatinsolvenzen ist im Bundesland Salzburg mit -20,6 % zu verzeichnen. Gefolgt von Tirol (-19,8 %), Burgenland (-18,2%) und Vorarlberg (-17,9 %). In den anderen Bundesländern sind die Zahlen leicht bis mittelmäßig rückläufig (-1,1 % in Wien bis -9,4% in Niederösterreich). Relativ zur Einwohnerzahl liegt Wien mit 39,1 Privatkonkursen je 100.000 Einwohner ebenfalls deutlich vor den anderen Bundesländern. Dahinter folgen Vorarlberg mit 32,0 und Kärnten mit 24,2 Fällen je 100.000 Einwohner.
Altersgruppen im Überblick
Die stärkste betroffene Altersgruppe war im 1. Quartal 2026 die Gruppe der 40- bis 49-Jährigen mit 610 Fällen. Danach folgen die 30- bis 39-Jährigen mit 527 Fällen sowie die 50- bis 59-Jährigen mit 441 Fällen. Bei den über 60-Jährigen wurden 381 Privatkonkurse verzeichnet, die wenigsten Fälle (201) gibt es bei den 18- bis 29-Jährigen.
Die Gründe für Privatinsolvenzen sind nach wie vor vielschichtig und oft das Ergebnis eines Zusammenspiels mehrerer Faktoren. Arbeitslosigkeit stellt, aufgrund der hohen Arbeitslosenzahlen, einen der Hauptgründe für Privatkonkurse dar. Darüber hinaus spielen persönliche Lebensereignisse eine wesentliche Rolle. Krankheiten, Scheidungen oder andere einschneidende Veränderungen der Lebenssituation können die finanzielle Stabilität erheblich beeinträchtigen und finanzielle Verpflichtungen schnell untragbar machen.
Auffällig sind auch Unterschiede zwischen den Altersgruppen: Jüngere Menschen verfügen häufig über geringere finanzielle Rücklagen. Ältere Personen sehen sich zunehmend mit strukturellen Belastungen, wie etwa steigende Miet- und Energiekosten oder Partner-Verlust, konfrontiert.
Regulatorische Änderungen als zusätzlicher Einflussfaktor
Ein weiterer wesentlicher Faktor für die Entwicklung der Privatkonkurse ist die aktuelle gesetzliche Regelung zur Entschuldung. Derzeit besteht für Verbraucher:innen die Möglichkeit, sich im Rahmen eines dreijährigen Tilgungsplans zu entschulden. Diese Regelung läuft jedoch Mitte Juli 2026 aus.
Sollte danach wieder eine längere Entschuldungsdauer von fünf Jahren gelten, ist kurzfristig mit einem spürbaren Anstieg der Privatkonkurse zu rechnen. Viele Betroffene könnten versuchen, noch vor Inkrafttreten der neuen Regelung einen Antrag zu stellen, um von den aktuell günstigeren Bedingungen zu profitieren. Dieser mögliche Vorzieheffekt könnte die Insolvenzstatistik im weiteren Jahresverlauf zusätzlich beeinflussen.
Finanzielle Belastung bleibt strukturelles Thema
Die aktuellen Entwicklungen verdeutlichen, dass die finanzielle Belastung vieler Haushalte in Österreich kein kurzfristiges Phänomen ist, sondern zunehmend strukturelle Züge annimmt. Die Kombination aus hohen Lebenshaltungskosten, unsicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und individuellen Risikofaktoren wirkt sich negativ auf die finanzielle Situation vieler Menschen aus.
Der leichte Rückgang der Privatkonkurse im ersten Quartal 2026 ist daher weniger als nachhaltige Entwicklung zu werten, sondern vielmehr als kurzfristige Momentaufnahme. Die Entwicklung wirtschaftlicher und regulatorischer Rahmenbedingungen im weiteren Jahresverlauf lassen Auswirkungen auf die Verschuldungssituation privater Haushalte vermuten.
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